11. Februar 1990

Am 11. Februar 1990 wird Nelson Mandela nach 27 Jahren Haft entlassen (rechnet man die Untersuchungshaft dazu, waren es 28 Jahre). Darüber ein Bericht der BBC:

Mandela Release

Dem britischen Journalisten vor Ort fällt wenig mehr ein als von fehlender calm and dignity zu sprechen; die BBC schneidet auch Mandelas Begrüßungsworte, die er auf Xhosa, seiner Muttersprache, spricht, aus ihrem Bericht. Das Ende Mandelas Rede, in der er aus seinem Schlussplädoyer vor Gericht am 20. April 1964 zitiert, ist zu sehen/zu hören. Mandela, der Sabotage vom Arpartheidsregime angeklagt, ist Anwalt und verteidigt sich als solcher selbst. Mandela verteidigt sich darin nicht im engeren Sinne; es geht ihm nicht darum, frei zu kommen. Gleich am Beginn seiner langen Rede (ausgedruckt 23 Seiten) macht er klar, dass er vom Staat schon für schuldig befunden wurde. Mandela nutzt  die Gelegenheit vielmehr, sich an die Weltöffentlichkeit zu richten, wohl ahnend, dass es die letzte Chance für viele Jahre sein wird. Er, als Mitglied des bewaffneten Flügels des ANC, bekennt sich zur Gewalt gegenüber einem Unrechtsregime, das ihm keine andere Wahl gelassen hat. Die Rede, dessen letzten Sätze er am Tag seiner Freilassung 1990 wiederholt, endet mit einer Absage an jegliche Rassenpolitik:

“This then is what the ANC is fighting. Their struggle is a truly national one. It is a struggle of the African people, inspired by their own suffering and their own experience. It is a struggle for the right to live.
During my lifetime I have dedicated myself to this struggle of the African people. I have fought against white domination, and I have fought against black domination. I have cherished the ideal of a democratic and free society in which all persons live together in harmony and with equal opportunities. It is an ideal which I hope to live for and to achieve. But if needs be, it is an ideal for which I am prepared to die.”

Heike Ingeborg Schmidt schilderte in ihrer Vorlesung zum “Südlichen Afrika vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart” (Universität Wien, SoSe 2012) wie sie den 11. Februar 1990 miterlebt hat. Sie war in London, lebte mit Freund_innen, die tw. aus Afrika kamen und in ihren Ländern Mitglieder antikolonialer Bewegungen waren. In der kleinen WG-Küche drängten sie sich um einen kleinen Schwarz-Weiß-Fernseher, um Berichte von Mandelas Freilassung zu sehen. Sie sprach von einem globalen Ereignis, vergleichbar etwa mit einem Fussball-WM-Finale, von Tränen der Freude auf den Straßen Londons, wo die Freilassung der “Friedensikone Mandela” bis spät in die Nacht hinein gefeiert wurde. Von dieser Stimmung ist in diesem BBC-Bericht wenig spürbar, jedoch in einem längeren Bericht der BBC, der auch einen längeren Ausschnitt der Rede Mandelas bringt: BBC News: Mandela Release Special (33min,28”)

Die Rede von Mandela anlässlich der Überreichung des Friedens-Nobel-Preises, den er zusammen mit Frederick de Klerk 1993 bekam, “for their work for the peaceful termination of the apartheid regime, and for laying the foundations for a new democratic South Africa” ist hier zu lesen. Aus der angeführten Begründung geht hervor, dass Mandela den Preis nicht für seinen gesamten Kampf gegen das Arpartheids-Regime bekommen hat, sondern für die letzten Jahre des Versuchs der “peaceful termination”. Diese Abschwächung durch das Attribut wäre nicht notwendig gewesen, wird der Friedennobelpreis doch an Person(en) vergeben, “who shall have done the most or the best work for fraternity between nations, the abolition or reduction of standing armies and for the holding and promotion of peace congresses.” Dass dies friedlich/pazifistisch/waffenlos sein soll/muss, scheint hier nicht auf.

This entry was posted in Geschichte, Geschichte - Erinnerung - Politik and tagged , . Bookmark the permalink.