Khulumani – die Stimme erheben

Die 1995 gegründete “Khulumani Support Group” (khulumani: isiZulu für “die Stimme erheben”) betreibt Lobbyarbeit für Arpartheid-Opfer und beschäftigt sich insofern v.a. mit ungelösten und unerledigten Themen der TRC (Truth and Reconciliation Commission/Wahrheits- und Versöhnungskommission): Reperationsprogramme für Communities, die Verfolgung von Täter_innen, die keinen Amnestieantrag gestellt haben, die Suche nach verschwundenen Personen…; ausserdem führen sie Rechtsstreits mit multinationalen Konzernen, die der Arpartheid Beihilfe geleistet haben und daraus – auf Kosten von Arpartheidsopfern – immense Profit gezogen haben. Damit fordert Khulumani nicht nur beständig die staatliche Erinnerungs- und Geschichtspolitik heraus, sondern richtet den Blick auch auf die Rolle des globalen Kapitalismus und multinationaler Konzerne während und innerhalb des Arpartheidsregimes.
In einem Interview mit dem Khulumani-Aktivist Zwelikude Mkhize in der ak/568 umschreibt dieser die Hauptaufgaben des mittlerweile 65.000 Mitglieder umfassenden social mouvements:

“Die Bedürfnisse der Opfer benennen. Diese unterscheiden sich – einige sind medizinisch, andere psycho-sozial, wieder andere sozio-ökonomisch. Das sind die großen Herausforderungen für Khulumani. Der TRC-Prozess konnte nicht einmal einen Bruchteil dieses Bedarfs angemessen ansprechen. Was die Frage der Reparationen angeht, gab es keine fundierte Entscheidung darüber, wie viele Reperationen den Opfern zugestanden hätten – als Entschädigung und um Arpartheid zum Verbrechen zu erklären. Zwar hat der TRC individuelle Reperationen vorgeschlagen, nur ist der Staat der Empfehlung nicht gefolgt. (…) Es bleibt eine offene Frage, womit sich Opfer und Überlebenden aussöhnen sollen. Mit dem, was wirklich geschehen ist, während ein Großteil des Landes dieses Bewußtsein einfach unter den Teppich kehren will?”

Der TRC hat bis dato 22.000 als Opfer anerkannt. Die Einwohner_innenzahl beträgt rund 50 Millionen Menschen. Mkhize spricht vom TRC-Prozess als einen opferunfreundlichen und damit täterfreundlichen:

“Opfern wurde weder das Recht auf eine bedeutende Entschädigung noch auf eine gerechte Versöhnung zugestanden. Weder mussten Täter_innen sich mit Opfern treffen, noch gab es Pläne, das Leid wiedergutzumachen, das den Opfern angetan wurde. Es gab dubiose Deals und Verhandlungen zu Lasten der Opfer. Die Rechte von Opfer sind wieder verletzt worden. Der südafrikanische TRC-Prozess ist in dieser Hinsicht bitter gescheitert.”

Das Interview in voller Länge: als pdf aus der ak: from victims to victors: interview with zweli mkhize – january 2012 oder im Blog der Interview-führenden Journalistin Nina Schulz.

Christian Meier kommt in seinem Essay “Das Gebot zu vergessen und die Unabweisbarkeit des Erinnerns. Vom öffentlichen Umgang mit schlimmer Vergangenheit” zu einer positiv gefärbten Einschätzung des TRC, seiner Politik und seines Vorgehens – diese lässt sich wohl nicht halten. An anderer Stelle werde darauf noch zurückkommen. Wie auch auf  TRC und Khulumani.

 

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